FOP 2026

Manche Werke warten hundert Jahre auf ihre Wiederkehr – manche auf ihre erste Stunde.
Das FOP gibt beiden eine Bühne.

Diese 19. Ausgabe des Frauenorchesterprojektes fand vom 20. bis 22. Februar 2026 in der Landesmusikakademie Berlin im FEZ-Berlin statt. Die Werkstattpräsentation der an diesem Wochenende von rund 80 Frauen gespielten Werke fand auf der Astrid-Lindgren-Bühne statt.

Das Frauenorchester umfasste in diesem Jahr rund 80 Frauen, die sich zum gemeinsamen Musizieren in Berlin trafen. Unter der musikalischen und künstlerischen Leitung von Mary Ellen Kitchens entstand ein Programm, das einmal mehr zeigte, wofür das FOP steht: Entdeckerlust quer durch Epochen und Kontinente.

Das Frauenorchester 2026 auf der Astrid-Lindgren-Bühne © Katharina Gebauer

Den emotionalen Ausgangspunkt setzte eine Uraufführungs-Begegnung: Vivienne Olive war mit ihrem Stück The Tears of the Nightingale (2025) selbst zu Gast, als das Orchester ihre eindringliche Auseinandersetzung mit dem Artensterben erarbeitete – moderne Klangfarben und expressive Intensität, entwickelt im direkten Austausch mit der Komponistin. Eine ganz andere Klangwelt eröffnete Lucrecia Kasilags Philippine Scenes (1974): In ihrem Heimatland eine der bekanntesten Komponistinnen des Landes, hierzulande ein Geheimtipp – und ein Stück, das dem Orchester zeitweise sogar als Chor eine Stimme abverlangte. Mit Luise Adolpha Le Beaus Sinfonie in F-Dur op. 44 stand der romantische Klassikkanon im Zentrum: elegante Form, ausdrucksstarke Motive. María Huld Markán Sigfúsdóttirs Oceans (2018) ließ das Publikum danach in weite, nordisch grundierte Klanglandschaften eintauchen, atmosphärisch und raumgreifend. Den Höhepunkt der Wiederentdeckung markierte Ethel Smyths Ouvertüre zu Fantasio (1898): ein furioses, virtuoses Werk, das seit Jahren nicht mehr erklungen war – das FOP brachte es damit zu seiner Wiederauferstehung auf der Bühne.

Das Frauenorchester 2026 auf der Astrid-Lindgren-Bühne © Katharina Gebauer

Was das Frauenorchesterprojekt ausmacht, ist eben nicht nur stilistische und geografische Vielfalt, sondern diese besondere Entdeckerlust: Historisches wie Smyths Fantasio wird zu neuem Leben erweckt, Zeitgenössisches wie Olives The Tears of the Nightingale wird direkt mit seiner Schöpferin erarbeitet, Klangtraditionen aus aller Welt werden hörbar gemacht. Das verbindet und begeistert Mitspielerinnen wie Publikum – Jahr für Jahr aufs Neue.

Die Ausschreibung zum Projekt lässt sich hier einsehen.

Pressemeldung

Programmheft

Was bedeutet Repertoire heute – und wer bestimmt, was gehört wird? Auch dieses Wochenende beantwortete die Frage nicht theoretisch, sondern klingend.

Aus dem Orchester
Das FOP setzt immer ungeahnte Energien frei. Bei der Anreise am Freitag habe ich eine vage Vorstellung von Stücken, die ich bisher in der Regel noch nie gehört habe – nach dem Werkstattkonzert am Sonntag bleibende Ohrwürmer. Orchesterarbeit mit ernsthaftem musikalischen und feministischen Anspruch ist für mich immer etwas ganz besonderes. Mary Ellen Kitchens gelingt dabei regelmäßig als Dirigentin die Quadratur des Kreises: immer freundlich, partizipativ, auf hohem Niveau und innerhalb weniger Tage ein Programm auf die Bühne zu bringen. Besonders herausfordernd war in diesem Jahr die Ouvertüre zu Fantasio (1898) von Ethel Smyth – ein furioses virtuoses Stück, das innerhalb eines Wochenendes nicht ganz auf das Originaltempo zu bringen war, aber wahnsinnig gute Laune macht. Eine spannende Entdeckung auch die Philippine Scenes (1974) von Lucrecia Kasilag, eine sehr bekannte Komponistin in ihrem Heimatland, hier jedoch ein Geheimtipp, bei dem das Orchester auch als Chor gefragt war. Ein Highlight ist auch immer, wenn wir ein Stück einstudieren, bei dem die Komponistin selbst anwesend ist, wie in diesem Jahr Vivienne Olive. Ihr anrührendes und eindrückliches Stück The Tears of the Nightingale (2025) beschäftigt sich mit dem Artensterben. 
Orchesterarbeit ist immer ein Gemeinschaftserlebnis. Aber nirgendwo empfinde ich das Gemeinschaftsgefühl so stark wie beim FOP.

– Maria Bätzing, 2026

Unsere Stimmgruppen 2026 © Katharina Gebauer