„Hier geht es nicht nur um Musik, sondern um neue Perspektiven – im Klang und im Denken.
Diese 18. Ausgabe des Frauenorchesterprojektes fand vom 07.bis 09. März 2025 in der Landesmusikakademie Berlin im FEZ-Berlin statt. Die Werkstattpräsentation der an diesem Wochenende von rund 80 Frauen gespielten Werke fand im Konzertsaal 2 statt.
Das Frauenorchester umfasste in diesem Jahr rund 80 Frauen, die sich zum gemeinsamen Musizieren in Berlin trafen. Unter der musikalischen und künstlerischen Leitung von Mary Ellen Kitchens entstand auch in diesem Jahr ein außergewöhnliches Programm voller neuer Entdeckungen, das die stilistische und kulturelle Bandbreite von Komponistinnen aus unterschiedlichen Epochen und Herkunftsräumen in einem spannenden Gesamtzusammenhang setzte.
Mit Elfrida Andrées Varför och därför eröffnete ein lyrisch-romantischer Ton, der eine nordisch geprägte Klangsprache mit feiner Emotionalität verband. Imogen Holsts Ouvertüre zu Persephone brachte eine klar strukturierte, dramatisch geprägte Orchestersprache ein, während Agnes Tyrrells Ouvertüre in Es-Dur mit klassisch-romantischer Formensprache und kraftvollen Motiven überzeugte. Einen starken zeitgenössischen Kontrast setzte Ying Wang mit Phantasmagoria, das mit modernen Klangfarben, schillernden Texturen und expressiver Atmosphäre neue Hörwelten eröffnete. Grace Williams’ Fantasia on Welsh Nursery Tunes rundete das Programm mit folkloristischen Elementen ab und verband traditionelle Melodien mit symphonischer Gestaltung. Insgesamt entstand so ein facettenreiches musikalisches Panorama, das die künstlerische Vielfalt, Eigenständigkeit und kreative Bandbreite von Komponistinnen eindrucksvoll sichtbar machte und auch die kreative Vielfalt von Komponistinnen auf lebendige Weise erfahrbar werden ließ.

Plakat 2025 © Studio Pandan
„Das Wochenende war einfach inspirierend, herzlichen Dank an Euch alle!!“
Die Ausschreibung zum Projekt lässt sich hier einsehen.
Programmheft
Pressemeldung
Das Sinfonische Gedicht Varför och därför von Elfrida Andrée, gespielt vom Frauenorchester, Werkstattpräsentation am 09.März 2025 im FEZ-Berlin:
Was bedeutet Repertoire heute – und wer bestimmt, was gehört wird? Dieses Projekt stellte diese Fragen nicht theoretisch, sondern musikalisch – durch Klang, Auswahl und gemeinsame Erfahrung.
(M)Ein persönlicher Blick
Es ist wohltuend, in dieser Atmosphäre zu proben: wertschätzend, sehr konzentriert, offen für Anregungen. In den Pausen persönliche Begegnungen, die gut tun.
Für mich das Besondere an diesem Wochenende:
das Erarbeiten des Werkes „Phantasmagoria“ von Ying Wang.
Beim vorbereitenden Üben zu Hause kam Widerstand auf, das erste Durchspielen im Orchester dann Frust. Permanente Taktwechsel und unübliche Rhythmen, kaum eine verfolgbare Melodie. Allein: Mary Ellen schaffte es mit ihrer Begeisterung und geduldiger Arbeit, mir (wahrscheinlich auch uns) dieses kurze Werk zu entschlüsseln, den Weg zu ebnen, es mit Überzeugung zu spielen.
Dann im Werkstattkonzert das I-Tüpfelchen: Ein Durchgang dieses Werkes, allein von der Schlagzeuggruppe gespielt. Mit großem Respekt konnte ich dies hören und hatte anschließend große Freude am gemeinsamen Spielen.
Insgesamt bin ich wieder einmal beeindruckt gewesen, mit wieviel Einsatz von so vielen Frauen dieses Wochenende vorbereitet und begleitet wurde. Es gibt ein gemeinsames Ziel, es werden keine persönlichen Eitelkeiten befriedigt, jede Spielerin kann mit ihrem Können mitspielen.
Ein Dank an alle, die es mir ermöglichen, ein so dichtes Wochenende zu erleben.
– Cornelia Trantow, 27. April 2025
„Mary Ellen Kitchen – Du hast uns wunderbar geführt und noch den Humor bewahrt. Ich habe sehr gerne unter Deiner Führung gespielt. Organteam – Ihr seid spitze. Schön war auch, dass Gäste zum Thema da waren, auch Komponistin – das macht alles sehr real.“
Konzert-Ouvertüre in Es-Dur von Agnes Tyrrell, gespielt vom Frauenorchester, Werkstattpräsentation am 09.März 2025 im FEZ-Berlin:
Persönliche Eindrücke vom Frauenorchesterprojekt 2025 von Frances Falling
Das Frauenorchesterprojekt (FOP) 2025 zum ersten Mal zu besuchen, war für mich eine Inspiration und eine Erfahrung, die in mir noch lange nachklingen werden. Ich durfte den Proben als Beobachterin beiwohnen und hatte so die einmalige Gelegenheit, den Prozess vom Proberaum aus zu beobachten und mit den Musikerinnen zwischen den Proben zu sprechen. Außerdem hatte ich die Gelegenheit mit der Pianistin und Professorin Dr. Jocelyn Swigger für unser kleines Konzert im Anschluss an das Hauptkonzert zu proben und Lieder von einer kaum bekannten tschechischen Komponistin des 19. Jahrhunderts zu singen: Agnes Tyrrell.
Das Wochenende war eine Mischung aus Musizieren, Zusammenarbeit und dem gemeinsamen Verantwortungsgefühl, vergessene Kompositionen zum Leben zu erwecken. Besondere Freunde hatte ich daran zu sehen, wie die Komponistin Ying Wang mit den Musikerinnen zusammenarbeitete, während sie ihr Stück einstudierten. Sie bewegte sich zwischen den Musikerinnen, gab Anweisungen, erklärte Artikulationen und beantwortete Fragen mit einer spürbaren Leidenschaft für ihre Musik. Auch der Austausch und der herzliche Umgang zwischen der Dirigentin Mary Ellen Kitchens und Ying Wang sowie den Orchestermitgliedern sind mir besonders aufgefallen. Während des ganzen Wochenendes war klar: Mary Ellen Kitchens hatte eine klare künstlerische Vision, war aber offen für die Anregungen der Orchestermitglieder, die schließlich alle aus verschiedenen Ecken Deutschlands, unterschiedlichen Berufen, Lebenssituationen und Alters- sowie Fähigkeitsstufen kamen. Dieser wertschätzende, offene Umgang führte zu einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts und eines kreativen Miteinanders. Das gemeinsame Ziel, für das alle sich konzentrierten und ihr Bestes gaben, war wirklich diesen Komponistinnen gerecht zu werden, ihre Stimmen zu Gehör zu bringen. Dieser Geist ging über den Proberaum hinaus. Als ich durch die Gänge des Freizeit- und Erholungszentrums (FEZ) gegangen bin, huschten Kinder an mir vorbei, die Spaß an Entdeckung und Spiel an verschiedenen Stationen innerhalb des FEZ-Berlin hatten. Diese entdeckungsfreudige Flow-Stimmung passte wiederum genau zu den FOP-Musizierenden und deren Auftrag. Da konnte man nicht anders als grinsend umherlaufen.
Während des Werkstattkonzertes war die Energie im Saal ebenfalls neugierig und begeistert. Ich saß im Publikum und beobachtete, wie sich bei Elfrida Andrées sinfonischer Dichtung drei Männer gebannt nach vorne lehnten und die Musik voller Interesse in sich aufnahmen. Als Mary Ellen Kitchens zwischen den Stücken immer wieder kurz moderierte, um die Geschichte hinter diesen Kompositionen zu erklären, haben die Zuhörer*innen jedes Wort aufgesogen. Besonders rührend war die Geschichte der Ouvertüre von Agnes Tyrrell, die über 150 Jahre lang in Manuskriptform verborgen war und die – dank der Arbeit von Dr. Swigger und ihre studentische Assistenz Riley Dunbar – nun zur deutschen Uraufführung kommen konnte. Die triumphale Wiederauferstehung dieser lebensfrohen Musik hat mich und meine Sitznachbarinnen zu Tränen gerührt.
Nach diesem Wochenende ist mir klar geworden: Das FOP ist nicht nur ein ambitioniertes Orchesterprojekt, das für ein Wochenende zusammenkommt und mit einer Werkstattpräsentation abschließt: Es ist eine Erfahrung, die alle Beteiligten verändert, ob als Musiker*innen oder Zuhörer*innen. Es bekräftigt die Bedeutung der Wiederentdeckung und Würdigung von Komponistinnen und erinnert uns daran, warum diese Arbeit fortgesetzt werden muss. Ich werde noch lange aus der Kraft und Inspiration dieser Erfahrung schöpfen und bin mir sicher, dass genau aus diesem Grund die Musiker*innen und Zuhörer*innen Jahr für Jahr wieder am FOP teilnehmen.
